Die letzten Vorbereitungen für die NASA-Mission Artemis II laufen auf Hochtouren. Es handelt sich um die erste bemannte Mission, die seit mehr als 50 Jahren den Mond umrunden wird. Vier Astronauten – drei Männer und eine Frau – werden zehn Tage an Bord des Raumschiffs Orion verbringen. Dabei werden sie weiter ins All vorstoßen als je zuvor Menschen, den Mond umkreisen und anschließend zur Erde zurückkehren.

Probleme durch ein Treibstoffleck während der Tests der für die Mission vorgesehenen Rakete Space Launch System führten dazu, dass die geplanten Startfenster im Februar und März verpasst wurden. Nun peilt die NASA einen Start Anfang April an.

Die Mission ist der nächste Schritt im Artemis-Programm, das vorsieht, bis 2028 erneut Astronauten auf der Mondoberfläche landen zu lassen. Auch China verfolgt ein eigenes Programm und plant bis 2030 eine vollständig bemannte Mondmission.

In dieser Folge des Podcasts The Conversation Weekly spricht Gemma Ware mit Scott Pace, Direktor des Space Policy Institute an der George Washington University, über die Gründe für die Rückkehr der NASA zum Mond. Pace war bereits in der Raumfahrtpolitik unter der Regierung von George W. Bush tätig, arbeitete anschließend bei der NASA und wurde später zum Exekutivsekretär des National Space Council in der ersten Trump-Administration ernannt. Dort war er maßgeblich am Start des Artemis-Programms beteiligt.

Seit 1972, als Gene Cernan im Rahmen von Apollo 17 als letzter Mensch den Mond verließ, hat kein Mensch mehr seinen Fuß auf dessen Oberfläche gesetzt. Laut Pace verschwand nach dem Sieg der USA im Wettlauf ins All gegen die Sowjetunion „der geopolitische Grund für die Fortsetzung dieser Missionen“.

Heute habe sich die Lage jedoch verändert. Pace ist überzeugt, dass der „geopolitische Zweck der Präsenz auf dem Mond darin besteht, dauerhaft dort zu sein“. Er vergleicht den Mond mit der Antarktis: Die USA und ihre Verbündeten hätten dort auch deshalb Einfluss, weil sie jeden Sommer rund 3.000 Menschen auf den Kontinent entsenden. „Regeln werden von denen gemacht, die präsent sind“, sagt er. Entscheidend sei daher, ob China schneller als die USA zum Mond zurückkehrt – insbesondere, wenn es dabei die Standards und Betriebsnormen festlegt.

Für Pace bedeutet das, die Frequenz bemannter Missionen zur Mondoberfläche zu erhöhen und die Kapazitäten auszubauen, um mehr als eine Mission pro Jahr durchführen zu können. Eine Schlüsselrolle spielen dabei Partnerschaften im kommerziellen Raumfahrtsektor.

„Was wir derzeit mit Artemis beobachten, ist ein Lernprozess von NASA und Industrie, wie man zum Mond fliegt – und anschließend die Entscheidung, wie eine langfristig tragfähige Zukunft aussehen kann“, erklärt Pace. „Diese Debatte wird entscheidend dafür sein, was nach Artemis II folgt.“

Gemma Ware, Moderatorin des Podcasts The Conversation Weekly, The Conversation