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Lily Whelehan, University of Queensland
Wie beeinflusst die Art der Musik das Wachstum von Pflanzen?
– Thomas, 14 Jahre, Auckland, Neuseeland
Wenn ich im Labor meine Pflanzen untersuche, höre ich dabei sehr gerne Musik. Aber gefällt sie auch meinen Pflanzen – oder wünschen sie sich einfach nur Ruhe und Stille?
Wie sich herausstellt, beschäftigt diese Frage Pflanzenliebhaber bereits seit fast 70 Jahren. Inzwischen gibt es sogar zahlreiche Alben und Playlists, die speziell dafür zusammengestellt wurden, Pflanzen musikalisch zu begleiten. Eines der bekanntesten – und auch mein persönlicher Favorit – ist Mother Earth’s Plantasia. Das Album erschien 1976 und war „für Pflanzen und die Menschen, die sie lieben“ gedacht. Manche Menschen finden es einfach schön, gemeinsam mit ihren Pflanzen Musik zu hören. Doch steckt tatsächlich etwas hinter der Vorstellung, dass bestimmte Musik das Wachstum von Pflanzen fördern kann?
Schauen wir uns an, was die Wissenschaft dazu sagt.
Woher stammt diese Idee?
Eine der bekanntesten Untersuchungen zum Einfluss von Musik auf Pflanzen wurde 1973 von der Autorin Dorothy Retallack veröffentlicht. Sie fasste ihre Arbeit in dem Buch The Sound of Music and Plants zusammen.Retallack führte mehrere Experimente durch, bei denen sie Pflanzen unterschiedliche Musik vorspielte. Ihren Beobachtungen zufolge starben Pflanzen, denen Rockmusik vorgespielt wurde, während Pflanzen, die klassische Musik hörten, besonders gut gediehen.
Allerdings war Retallack eigentlich Musikstudentin und verfügte nur über geringe Kenntnisse wissenschaftlicher Methoden. Ihre Ergebnisse wurden nicht von unabhängigen Fachleuten begutachtet und von der wissenschaftlichen Gemeinschaft scharf kritisiert. Dennoch fand die Geschichte große mediale Aufmerksamkeit.
Ebenfalls 1973 erschien das Buch The Secret Life of Plants, das sich mit verschiedenen Aspekten der vermeintlichen „Intelligenz“ von Pflanzen beschäftigte. 1979 wurde daraus eine gleichnamige Dokumentation. Darin wurden außergewöhnliche Geschichten erzählt – etwa die von einem Kaktus, der angeblich Japanisch sprechen konnte. Obwohl diese Vorstellungen wissenschaftlich äußerst fragwürdig waren, fanden sie in den alternativen Bewegungen der 1970er-Jahre großen Anklang.
Neuere Erkenntnisse
In den Jahrzehnten danach wurden zahlreiche weitere Studien veröffentlicht, die sich mit dem Einfluss von Musik auf Pflanzen beschäftigten. Viele orientierten sich weiterhin an Retallacks Ansatz und untersuchten, wie unterschiedliche Musikrichtungen das Pflanzenwachstum beeinflussen. Doch auch die Qualität dieser Untersuchungen ist häufig fragwürdig: Einige berichten beispielsweise über statistisch signifikante Unterschiede, obwohl tatsächlich keine vorliegen, andere enthalten überhaupt keine statistische Auswertung oder lassen wichtige Angaben zur verwendeten Forschungsmethode vermissen. Wieder andere Studien untersuchen den Einfluss religiöser Musik oder religiöser Gesänge auf das Pflanzenwachstum und verwenden dabei eine auffallend religiöse Sprache, was darauf hindeuten kann, dass bereits die Gestaltung der Untersuchungen von bestimmten Vorannahmen beeinflusst wurde. Es gibt allerdings auch methodisch deutlich fundiertere Studien. Sie verwenden solide statistische Verfahren, vergleichen nicht nur Musik, sondern auch andere Geräusche und setzen sich mit den möglichen Auswirkungen von Schwingungen und Schallwellen auseinander. Da es jedoch keine Belege dafür gibt, dass Pflanzen die feinen Unterschiede wahrnehmen können, anhand derer Menschen verschiedene Musikrichtungen unterscheiden, gilt allgemein: Untersuchungen, die den Einfluss unterschiedlicher Musikrichtungen testen, sind bereits in ihrer Grundannahme potenziell verzerrt.
Pflanzen und Schall
Wie in vielen Bereichen der Wissenschaft ist die tatsächliche Beziehung zwischen Pflanzen und Schall meiner Meinung nach weitaus faszinierender als der Mythos selbst. Pflanzen haben sich nicht so entwickelt, dass sie Musik so wahrnehmen und schätzen können wie Menschen. Die Welt war jedoch schon immer voller Geräusche. Wie klingt die Welt also für eine Pflanze? Pflanzen existieren seit mehr als 850 Millionen Jahren auf der Erde. Ursprünglich handelte es sich um einzellige Organismen, die Energie aus dem Sonnenlicht gewinnen konnten. Vor etwa 390 Millionen Jahren – in der Zeit des mittleren Devon – hatten sich Pflanzen zu Formen entwickelt, die wir heute beispielsweise als Farne erkennen, mit Strukturen wie Wurzeln und Blättern. Damals waren Pflanzen vermutlich Geräuschen wie dem Knabbern von Insekten, Donner, Regen und fließendem Wasser ausgesetzt. Wir Menschen nehmen Schall vor allem über das Hören wahr. Aus physikalischer Sicht ist Schall jedoch schlicht eine Druckwelle. Diese Druck- oder Schallwellen wirken auf die physische Umgebung ein, während sie sich durch sie hindurch ausbreiten. Forschungen haben gezeigt, dass Schallwellen mit pflanzlichen Strukturen wie den Härchen auf Blättern interagieren.
Das deutet darauf hin, dass Pflanzen Schall wahrnehmen können, ohne ihn tatsächlich auf die Weise zu „hören“, wie wir es uns normalerweise vorstellen. Forschende haben außerdem festgestellt, dass manche Pflanzen in Richtung des Geräuschs von fließendem Wasser wachsen, wenn dieses über Lautsprecher wiedergegeben wird. Bei einigen Pflanzen verstärkte sich zudem die Abwehrreaktion gegenüber Fressfeinden, nachdem ihnen die Geräusche von Insekten vorgespielt worden waren, die sie normalerweise angreifen. Andererseits wurde festgestellt, dass bestimmte vom Menschen erzeugte Geräusche negative Auswirkungen auf die Gesundheit von Pflanzen haben können. Es ist daher durchaus möglich, dass Musik das Wachstum von Pflanzen beeinflusst – etwa dann, wenn ihre Wellenlängen und Rhythmen den Geräuschen ähneln, mit denen sich eine Pflanze im Laufe ihrer Evolution auseinandergesetzt hat, beispielsweise dem Geräusch von fließendem Wasser. Da Pflanzen jedoch äußerst vielfältig sind und sich an ganz unterschiedliche Lebensräume angepasst haben, ist es unwahrscheinlich, dass Musik, die das Wachstum einer Pflanzenart fördert, dieselbe Wirkung auf eine andere Art hat. Was mich betrifft, werde ich auch weiterhin Musik im Labor hören. Ich werde mir allerdings keine Gedanken darüber machen, ob meine Pflanzen meinen Musikgeschmack heimlich beurteilen.
Lily Whelehan, Postdoktorandin, Queensland Alliance for Agriculture and Food Innovation, University of Queensland
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation übernommen. Den Originalartikel können Sie dort nachlesen.